Brasilien – im Schlaraffenland

Eigentlich sollte Chile ja auch eines unserer Reiseziele werden. Aber aufgrund unserer rudimentären Spanischkenntnisse und dem Wissen mit Englisch nicht unbedingt verstanden zu werden, entschieden wir uns dafür einen längeren Trip durch Südamerika zu vertagen bis wir unsere Spanischkenntnisse entsprechend angepasst haben. Aufgrund unserer knappen Reisezeit mussten wir ja eh irgendwo Abstriche machen. Ein kurzer Abstecher nach Brasilien erschien uns aber machbar (unser portugiesisch ist natürlich ausgezeichnet *hüstel*) – schließlich war hier letztes Jahr die Fußball-WM und nächstes Jahr findet Olympia statt.
Bei unserem Start in Santiago konnten wir aus dem Flugzeug immerhin schon mal einen traumhaften Blick auf die schneebedeckten chilenischen Anden werfen.

Kurz nach Mitternacht landeten wir dann in Rio de Janeiro. Unsere Vorstellung, dass in Rio zumindest an öffentlichen touristischen Plätzen wie bspw. dem Flughafen die Menschen ein paar Brocken Englisch können, mussten wir leider schnell über Bord werfen. Also lernten wir nun jeden Tag ein bisschen mehr portugiesisch, um uns verständlich zu machen. Im Hostel angekommen, waren wir etwas schockiert über unser Zimmer – keine Matratze, nur eine Art Holztisch mit Bettlaken; kaum Platz für Zwei mit Gepäck, geschweige denn irgendeine Art Ablage. Aber nachts halb drei nimmt man, was man bekommt. Und dank der langen Reise konnten wir auch schlafen. Am nächsten Tag, der schon fast rum war als wir endlich mal das Bett verließen, erkundeten wir unsere Umgebung Botafogo und konnten schon einen ersten Blick auf die Christus-Statue werfen.

Da wir keine Ahnung hatten, was man sich im City Center alles anschauen kann, nahmen wir an einer Stadtführung teil und lernten gleich noch einiges über die Geschichte von Rio: zum Beispiel, dass die heutigen sozialen Probleme der Stadt schon in rücksichtslosen Entscheidungen eines Bürgermeisters im 19. Jahrhundert begründet liegen.

 

Ein quietschbunte Straße in Lapa - hier hat sich der Künstler Selaron verewigt.
Eine quietschbunte Straße in Lapa – hier hat sich der Künstler Selaron verewigt.

 

Tja, so weit gereist und doch in Düsseldorf geendet ;)
Tja, so weit gereist und doch in Düsseldorf geendet 😉

 

Blick auf das Viadukt bei Lapa.
Blick auf das Viadukt bei Lapa.

Anschließend wurde im Stadtviertel Lapa national gespeist: Es gab Feijoada (ein Eintopf mit schwarzen Bohnen, Schweinefleisch und dazu Reis) und Churrasco (eine brasilianische Grillplatte mit verschiedenen Fleischsorten).
Wir warfen auch noch einen Blick in die neue Kathedrale von Rio – die Cathedral Metropolitana de São Sebastião – die von außen eher einem Atommeiler, als einer Kirche gleicht. Von Innen war sie dann aber doch ganz interessant.

Wer hätte gedacht, dass sich hier eine Kathedrale versteckt?
Wer hätte gedacht, dass sich hier eine Kathedrale versteckt?

 

Wenn man schon in Rio ist, muss man sich natürlich auch ein Bild von den berühmten Stränden Copacabana und Ipanema machen. Das Wetter lud leider nicht dazu ein den ganzen Tag am Strand zu verbringen. Dafür gab es einen schönen Strandspaziergang. Wir waren etwas überrascht über die heruntergekommenen Häuserfassaden und brasilianische Strandschönheiten ließen sich auch nicht blicken.

Blick von Arpador auf Ipanema.
Blick von Arpoador auf Ipanema.

Am späten Nachmittag ging es dann zusammen mit einem  polnisch-tschechischen Pärchen, dass wir beim Frühstück kennengelernt hatten, Richtung Zuckerhut. Es sollte einen Weg hinauf zum Morro da Urca geben – dem etwas kleineren Hügel vor dem Zuckerhut, der auch Zwischenstation der Seilbahn ist.
Es ging steil bergauf, dafür waren wir nach knapp 20 min schon oben. So hatten wir noch genug Zeit vor dem Sonnenuntergang die Stadt bei Tageslicht von oben zu sehen.

Der Zuckerhut.
Der Zuckerhut.

 

Auf dem Gipfel von Morco da Ucra.
Auf dem Gipfel des Morro da Urca.

Der liebe Christus versteckte sich die meiste Zeit zwischen den Wolken, so dass es einem fast wie eine Erscheinung vorkam, wenn er sich doch mal blicken ließ.

Über den Wolken...
Über den Wolken…

 

...einer Erscheinung gleich steht die Christus-Statue über Rio de Janeiro.
…einer Erscheinung gleich steht die Christus-Statue über Rio de Janeiro.

Nun war es an der Zeit das Nationalgetränk Brasiliens zu testen: Caipirinha. Um einen umfassenden Überblick von der Qualität dieses Getränkes zu bekommen, mussten wir ihn natürlich in verschiedenen Läden testen. Nach einem kurzen Caipirinha-Stopp im Hostel landeten wir zusammen mit anderen Hostel-Gästen irgendwo in Botafogo auf einer Art Straßenparty und es gab natürlich Caipirinha.

Caipirinha in Rio.
Caipirinha in Rio.

 

Und noch einer :)
Und noch einer 🙂

Am nächsten Morgen bzw. eher Nachmittag gab es dann lecker Frühstück aus der Confeitaria Colombo – ein prachtvolles Kaffeehaus von 1894, wo auch schon die Präsidenten ein- und ausgingen.

Das Colombo.
Die Confeitaria Colombo.

 

Hmmm lecker :)
Hmmm, lecker Frühstück 🙂

Wie heißt es doch? Wer nicht bei der Christus-der-Erlöser Statue war, war nicht in Rio!? An unserem letzten Tag hatten sich die Wolken endlich verzogen, so dass es höchste Zeit war, diese Attraktion aus der Nähe zu betrachten. Eigentlich wollten wir eines der Autos buchen, die einen nach oben fahren und den Rest des Tages am Strand verbringen. Nachdem wir aber die Warteschlange für die Autos sahen, entschieden wir uns lieber für eine kleine Wanderung. Schlecht ausgestattet mit Flip-Flops und         Plastiktüte in der Hand ging es los.
Am Startpunkt musste man schon mal seinen Namen und ein paar Infos für den Notfall aufschreiben. Das machte auf uns natürlich einen vertrauenserweckenden Eindruck. Zwischendurch musste man sogar richtig klettern und es war recht rutschig. Aber wir sind wohlbehalten oben angekommen. Und die Aussicht über Rio de Janeiro war phänomenal.

Blick über Rio von der Christus-Statue: links das Zentrum, rechts unser Stadtteil Botafogo.
Blick über Rio von der Christus-Statue: links das Zentrum, rechts unser Stadtteil Botafogo.

Auf dem Rückweg verpassten wir den Einstieg zum Wanderweg und liefen auf der Straße hinab. Wir hoffen man sucht jetzt nicht nach uns, da wir nie wieder beim Startpunkt ankamen…
Insgesamt haben wir uns in Rio sehr sicher gefühlt. Am ersten Tag war man noch etwas vorsichtiger, als man es ohnehin schon ist, aber wir hatten nie eine Situation, in der wir uns unwohl gefühlt haben. Rio de Janeiro erscheint uns also mit den heutigen Sicherheitsvorkehrungen und dem Einhalten bestimmter Regeln (nicht allein in die Favelas = Armutsviertel gehen) nicht gefährlicher, als eine andere Großstadt.

Dann war es Zeit nach São Paulo aufzubrechen. Wir landeten im strömenden Regen und die Taxifahrt zu unserer Unterkunft wirkte zwischenzeitlich eher wie eine  Bootsfahrt – Massen an Wasser schossen die Straßen hinab. Erstaunlicherweise verschwand das Wasser aber relativ schnell, nachdem der Regen aufgehört hatte.

Wir hatten keine Erwartungen an die Stadt und es gab auch nicht die klassischen Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt ansehen musste. Wir ließen uns also etwas treiben und nutzten die Zeit auch sehr zum Relaxen. An unserem ersten Tag spazierten wir Richtung Innenstadt.
Auf einmal gab es eine große Ansammlung von Polizisten. In Rio hatten wir das öfter gesehen, da die Polizei dort überall in den touristischen Vierteln Patrouille läuft. So machten wir uns zunächst keine Gedanken. Als wir aber näher kamen, sahen wir auf dem Boden eine Art Plane, worunter eine Person lag. Es war also jemand gestorben, weshalb die ganze Polizei anwesend war. Irgendwie schien das aber auch niemanden so wirklich zu interessieren, so dass wir den Eindruck bekamen, dass so etwas auf der Straße nicht selten vorkommt und wir das vielleicht noch öfter sehen werden. Das bestärkte uns nicht gerade in unserem Sicherheitsgefühl. Wahrscheinlich durch dieses Erlebnis begründet, gab es so auch zu Beginn einige Momente in São Paulo, in denen wir uns eher unwohl fühlten. Dies verflog jedoch wieder, u.a. weil sich nach Gesprächen mit Einheimischen herausstellte, dass unser Erlebnis für die Region, in der wir uns aufhielten, sehr ungewöhnlich ist. Außerdem gab es auch in São Paulo nie eine gefährliche Situation, in der wir Angst haben mussten. Und ausgeraubt wurden wir auch nicht.

Das Stadtzentrum von São Paulo hat ein paar schöne Gebäude, wie bspw. das Theatro Municipal.

Theatro Municipal.
Theatro Municipal.

Ansonsten gibt es aber viele heruntergekommene Häuser.

Kein seltenes Bild hier.
Eine typische Häuserfront in São Paulo.

 

Wir haben die São Paulo Variante der Rua Selaron entdeckt.
Wir haben die São Paulo Variante der Rua Selaron entdeckt.

 

Hier gibt es sogar Frösche mitten in der Stadt ;)
Hier gibt es sogar Frösche mitten in der Stadt 😉

Um Matthias nicht länger auf die Folter zu spannen, ging es dann endlich in den neuen James Bond – auf Englisch mit portugiesischem Untertitel, denn in der Regel werden ausländische Film hier nicht synchronisiert. Der Eintritt hat uns keine 6 Euro gekostet – für beide zusammen! 🙂

Um die nationale Küche besser kennenzulernen, nahmen wir an einer Food Tour teil. Es gab verschiedene typisch brasilianische Snacks und natürlich mussten wir auch den Original Cachaça “51” probieren, mit dem die Brasilianer typischerweise ihren Caipirinha zubereiten.

Pastel.
Pastel.

 

Mortadela Sandwich.
Mortadela Sandwich.

 

Pão de queijo.
Pão de queijo.

 

Wir probieren Cachaca.
Wir probieren Cachaça.

 

Eine Kostprobe von Caipirinha.
Eine Kostprobe von Caipirinha.

Die Brasilianer mögen es übrigens sehr, sehr süß. Ein Brownie schmeckt mehr nach purer brauner Zuckermasse. Selbst Kathrin, als absolute Schoko- und Süßigkeitenliebhaberin, ist hier an ihre Grenzen der Zuckerverträglichkeit gestoßen…

Süß, Süßer, Brasilien :)
Süß, Süßer, Brasilien 🙂

Wie ihr seht, sind wir, was das Essen anbelangt, in Brasilien voll auf unsere Kosten gekommen und haben es uns echt gut gehen lassen, was natürlich auch den günstigen Preisen zu verdanken war. Zusammenfassend kann man sagen, dass wir prozentual – neben Schlafen und Nichts tun – die meiste Zeit mit Essen verbracht haben. Die Sorge unserer Eltern, wir könnten auf der Reise verhungern oder zu viel Gewicht verlieren, ist also definitiv unbegründet. Wir können euch also beruhigen – fürchtet euch lieber vor dem Gegenteil… 😉

Unser Fazit für Brasilien: Mit vernünftigem Verhalten braucht man auch hier nicht mehr Angst zu haben, als in europäischen Großstädten. Nachrichten liefern uns zu Hause eben Ereignisse mit Nachrichtenwert, und das bedeutet für Brasilien leider, dass Verbrechen und Korruption übrig bleiben. Dies ist hier definitiv ein großes Problem, aber eben nicht alles.

Damit ist unser Kurztrip nach Südamerika nun zu Ende und es geht weiter nach Kalifornien. Wir werden sehen, ob uns die USA ohne Probleme einreisen lässt.

Habt eine schöne Vorweihnachtszeit und trinkt den einen oder anderen Glühwein für uns mit! 😉

Bis bald

Kathrin & Matthias